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Birgit Arndt hat European Business Studies studiert und ist Diplom-Kauffrau. Sie hat für Dell Computer und die Zürich Versicherungsgruppe in den Bereichen Kommunikation und Marketing gearbeitet. Seit Juli 2012 leitet sie als Geschäfts­führerin das Medienhaus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Birgit Arndt lebt in Bad Vilbel, wo sie auch in der Evangelischen Christuskirchen­gemeinde engagiert ist. Als Vorsitzende des Fachverbands Konfessioneller Medien im Verband Deutscher Zeit­schriften­verleger (VDZ), als Mitglied im erweiterten Vorstand des Evangelischen Medienverbands Deutschlands (EMVD) und als Vorstand in der Konpress Medien eG macht sie sich auch ehrenamtlich für evangelische Publizistik und Medienarbeit stark, damit die evangelische Stimme in der Gesellschaft hör- und sichtbar bleibt.

 
   
 

 

 

 

Frau Arndt, Sie sind Geschäftsführerin des Medienhauses der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und Initiatorin des YoungClip Awards, ein Medienprojekt der EKHN. Jugendliche im Alter von 13 bis 19 Jahren sollen dadurch motiviert werden, evangelische Glaubensinhalte in jugendgerechten und zeitgemäßen Medien selbst zu gestalten und im Video zu präsentieren. Sie arbeiten mit YouTuber*innen zusammen, die als Influencer*innen für eine Teilnahme mobilisieren und motivieren sollen. Wie kann Kirche erfolgreich mit Influencer*innen oder Blogger*innen zusammenarbeiten, welche Tipps haben Sie für eine erfolgreiche Vermittlung von kirchlichen Inhalten an eine so diverse Zielgruppe? Und wovon muss sich Kirche vielleicht auch in Zeiten der Digitalisierung frei machen, um gehört zu werden? Sehen Sie auch Stärken der Kirche, die sie z.B. auf Social-Media-Kanälen überlebensfähig(er) machen?

YouTube ist das beliebteste Online-Angebot bei Jugendlichen, wie die JIM (Jugend, Information, Media)-Studie schon seit einigen Jahren feststellt. Ein Großteil dieser Zielgruppe nutzt es regelmäßig - für die Hausaufgaben-Hilfe ebenso wie zur Unterhaltung. Inhalte zum christ­lichen Glauben für Jugendliche suchte man Ende 2017 dort jedoch vergeblich.

Aus diesem Grund haben wir Anfang 2018 mit dem Videowettbewerb YoungClip ein Projekt entwickelt, das Jugendliche zwischen 13 und 19 selbst zu Wort kommen lässt. Ein Projekt, das Medien­kompetenz ver­mittelt und dazu motiviert, sich mit Lebens- und Glaubensthemen zu beschäftigen. Jeden Monat sind die Jugendlichen aufgerufen, einzeln oder in Gruppen zu einem Monatsthema eigene Videos zu produzieren. Die Monatsgewinner*innen werden dann durch ein Publikumsvoting und eine Fachjury ermittelt. Das notwendige Handwerkszeug für die Umsetzung mit dem eigenen Smartphone lernen Jugendliche ebenso wie Religionslehrer*innen und Jugendreferent*innen in vorbereitenden Workshops.

Dazu konnten wir bekannte YouTuber gewinnen, die das Projekt als Multiplikator*innen und Mentor*innen sowie als Teil der Fachjury über den gesamten Wettbewerbszeitraum bis zur Abschlussgala im Sommer 2020 begleiten. Mit dabei sind Mirko Drotschmann alias MrWissen2Go, Marcus Schneider alias Der Breiteste Pastor, Jana Highholder, die seit 2018 mit ihrem Kanal „Jana glaubt“ als YouTuberin der Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) unterwegs ist sowie Christopher Schacht, der seinen Glauben auf seiner vierjährigen Weltreise mit 50 Euro in der Tasche neu entdeckt hat.

Neben der Medien-Kompetenzvermittlung ist es Ziel des Projekts, das Medium YouTube stärker in den Konfessions- und Religionsunterricht und die kirchliche Jugendarbeit einzubeziehen. Für die nachhaltige Nutzung wurden thematisch begleitende Unterrichtsmaterialien auf youngclip.de bereitgestellt.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) startete 2018 mit „Jana glaubt“ einen ersten YouTube Kanal. Dieses Projekt baut sie nun weiter aus. Ab dem 18. Februar 2020 gibt es unter der Marke Yeet ein Netzwerk verschiedener „Sinnfluencer“ auf YouTube und Instagram als mehrstimmiges Angebot für junge Menschen zwischen 14 und 29. Vielleicht werden auch Talente aus dem YoungClip Projekt, wie der 14-jährige Nelian, mal Teil dieses Netzwerks. Durch unterschiedliche Akteure – Pfarrer*innen ebenso wie Laien, theologisch konservative ebenso wie liberale – wird die Vielfalt des evangelischen Glaubens sicht- und hörbar. Was sie eint, ist, dass sie authentisch über ihren Glauben und ihre Erfahrungen sprechen, davon erzählen, wie sie ihr Christsein im Alltag leben. Dass sie ihre Erfolge und Freude ebenso teilen wie ihre Zweifel, ihren Schmerz oder Versagen. Dass sie zu ihren Haltungen und Meinungen stehen.

Ganz sicher können diese “Sinnfluencer“ jungen Menschen den christ­lichen Glauben näherbringen. Darum wäre es wünschenswert, wenn diese medialen Formate – ebenso wie der YoungClip Award – mit den kirchlichen Jugendangeboten vernetzt und als Chance begriffen werden, Jugendliche für evangelische Themen zu begeistern.

Christlicher Glaube ist für viele Jungen Menschen nicht mehr attraktiv. Auf YouTube ist er weiterhin ein Randthema. Damit die Formate der christlichen „Sinnfluencer“ aus der eigenen Filterblase herauskommen, braucht es Offenheit fürs Experimentieren, die Multiplikation innerhalb der Kirche und die Vernetzung mit anderen Angeboten. Wie das gelingen kann, zeigte unlängst Josefine Teske in „Auf Klo“, einem Format von Funk, dem Content Netzwerk von ARD und ZDF. Fast 300.000 überwiegend junge User*innen interessierten sich für ihren Beruf und ihr Leben als Pfarrerin.

 

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