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Monika M. Terbeck; Von
Hörenden wird sie gebucht für
Vorträge zum Thema Gehör-
losigkeit und der anderen
Kultur der Gehörlosen. Schon
während ihrer Studien-zeiten
– Diplom Soziale Arbeit/
Sozialpädagogik/
Betriebs­wirtschaft/Schwer­punkt Recht – befasste
Monika M. Terbeck sich mit dem Thema Hörschädigung.

 
   
 

 

 

 

„Was können Gebärden besser als Worte oder Schrift? Was ist die größte Herausforderung?“

Mit den Händen reden, mit den Augen hören, in einer Fremdsprache schreiben; das müssen Gehörlose können! Dabei hilft ihnen die Deu­tsche Gebärdensprache (DGS). Jeder von uns kann gebärden. Denken sie an Situationen, wenn Sie im Auto sitzen und ihrer Freundin auf der anderen Straßenseite etwas mitteilen möchten. Da fallen Ihnen Gebär­den für Uhrzeit und Kaffeetrinken ein, und Ihre Freundin wird Sie durch die Scheibe hindurch verstehen. Vielleicht antwortet sie mit Okay. Oder wie verständigen sich Taucher unter Wasser oder das Militär bei ihren Einsätzen? Trotzdem handelt es sich bei diesen Handzeichen nicht um Gebärdensprache. Auch Pantomime ist keine Gebärdensprache und wird in ganz anderen Regionen des Gehirns verarbeitet.

Deutsche auditive Lautsprache und deutsche visuelle Gebärdensprache verwenden die gleichen Prozesse beim Spracherwerb und des Aufbaus, der Form und der Funktion, erscheinen aber völlig anders. So wird vor dem Gebärden in einer Gruppe das Licht an und aus gemachtm um die Aufmerksamkeit aller Interessierten für das Gebärden zu bekommen. Die Deutsche Gebärdensprache ist eine seit 2002 in Deutschland an­erkannte, vollwertige Sprache. Sie funktioniert immer dann, wenn man sich gut sehen kann. Genau wie alle anderen Sprachen ist sie in jedem Land anders, und es gibt Dialekte. Allerdings ist es möglich mit der Deutschen Gebärdensprache in Amerika oder in Spanien zu plaudern, für politische oder wissenschaftliche Gespräche wird sie aber nicht ausreichen.

Die Anordnung der Worte erfolgt in der Reihenfolge Subjekt-Objekt-Verb und hört sich für Lautsprachnutzer komisch an. Für Gehörlose ist es normal zu sagen: Monika Brötchen isst. Die Gebärden werden fast ausschließlich im Gebärdenraum über der Körpermitte ausgeführt, durch die Hände, die Körperhaltung, die Mimik, durch Geräusche und das Mundbild. Wer Gebärdensprache erlernen möchte, kann diese Ge­bärden nicht aufschreiben, da es viele Richtungsgebärden gibt, die nur auf Video genau erkennbar sind. Außerdem gibt es die gleiche Gebärde öfters, nur bekommt sie ihre unterschiedliche Bedeutung durch einen anderen Ort oder das Mundbild. So bedeutet die Gebärde Telefon auch Toilette, wenn sie an anderer Stelle ausgeführt wird und die Hand etwas bewegt wird. Wichtig für das genaue Verstehen sind Handform, Bewegung, Ausführungsort und Handstellung. Ganz unterschiedliche Worte haben das gleiche Mundbild, wie zum Beispiel Kamel und Gabel. Hier benötigen die Betroffenen unbedingt die Gebärde, damit keine Missverständnisse entstehen.

Mit einer einzelnen Gebärde kann man viel mehr ausdrücken als mit einem Wort in der Lautsprache. Zum Beispiel die Worte „in einen anderen Raum gehen“ oder „über eine Brücke fahren“ können mit einer einzigen Gebärde dargestellt werden.

Anders als das leise Gespräch unter Freundinnen kann man in Gebärden­sprache nie flüstern. Alle Personen, die die Gebärden sehen und kennen, verstehen auch den Inhalt des Gespräches. Der Ort für ein vertrauliches Gespräch sollte also gut gewählt werden.

An vielen Orten finden selten Gebärdengespräche statt. Weil das Licht zu dunkel ist, Lampen oder Spiegel ein Erkennen erschweren oder weil zum Gebärden beide Arme und Hände nötigt sind. So ist es sehr schwer, mit dem Eis, den Einkauftaschen oder dem Besteck in der Hand zu gebärden. Hat ein Polizist einen Hut auf, kann das Mundbild nicht gelesen werden, Handschellen verhindern jede Kommunikation in Gebärdensprache. Ein bettlägeriger Betroffener, der in die Deckenlampen schaut, kann ebenfalls sehr schlecht oder gar nicht kommunizieren.

Wer als Hörender eine Halsentzündung hat und nicht sprechen kann, freut sich, wenn er für seine Kommunikation Gebärdensprache nutzen kann; durch sie kann er sich ohne Stimme verständigen, und es ist eine Wohltat für den Hals.