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2000 übernahm Olaf Kröck, die Künstlerische Leitung des 3. europäischen Theaterfestivals transeuropa in Hildesheim und arbeitete als Dramaturg und Regisseur am Stadttheater Hildesheim. Von 2001 bis 2004 war er Schau­spieldramaturg und Künstlerischer Leiter der Experimentierbühne „UG“ am Luzerner Theater und von 2005 bis 2010 Dramaturg am Schauspiel Essen. Während dieser Zeit inszenierte er die Hörspiele „Deadline“ von Rimini Protokoll (2008) und „Flüchtlinge im Ruhestand“ von Mirjam Strunk (Ursendung 2010 bei 1Live/WDR).

 

 

 
   
 

 

 

 

„Wie führt man eigentlich Künstler und speziell die Diven unter ihnen?“

Als Intendant bin ich für künstlerische Prozesse verantwortlich. Zur Kunst gehören Momente von Chaos und Krise. Sonst wäre Erfolg und Begeisterung umgekehrt vermutlich auch gar nicht möglich. So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzung, die von Emotionen und nicht von analytischer Sachlichkeit bestimmt sind. Der Umgang mit solchen Situationen ist jedes Mal aufs Neue herausfordernd, da ich selbst ja auch nicht frei bin von einer emotionalen Bewertung einer bestimmten Sachlage. Trotzdem ist es als Führungskraft wichtig, der ausgleichende Faktor zu sein. Meine Rolle ist oft, mit der eines Diplomaten zu ver­gleichen, der verschiedene Parteien hören muss und für Vermittlung sorgt. Ich kann ja nicht in einem künstlerischen Prozess die Position einnehmen „so wird’s gemacht und nicht anders!“. Das würde jede Kreativität unterbinden und würde dazu führen, dass sich die Kompetenzen der Gruppe, des Ensembles, des Teams auf Dauer nicht entfalten wird.

Natürlich gibt es strukturelle Notwendigkeiten in einer Institution, die Kunst produziert und zeigt. Da spielen Fragen nach Budgets und Zeit eine Rolle. Hier habe ich die Erfahrung gemacht, dass es an dieser Stelle oft sogar hilfreicher ist, klare Setzungen zu machen, die nicht mit allen diskutiert werden. Kreative brauchen Handlungsrahmen, die ihnen realistische Arbeitsvoraussetzungen schaffen. Viele können sich diese Rahmen gar nicht so gut selber setzen. Ein guter Künstler muss ja nicht unbedingt Managementqualitäten haben. Dennoch kommt so ein Prozess nicht ohne klare Rahmenbedingungen aus. Ich habe hier vor allem gute Erfahrungen gemacht, wenn eine erfahrene Gruppe von Menschen, die sich mit Kunst und Management auskennen, eine Struk­tur entwerfen, die dynamisch ist. Mit diesen beweglichen Grund­gerüsten geht man in den Austausch mit den Kreativen. Auch wenn
hier ebenfalls immer mal wieder Konflikte entstehen, ist eine Einigung in den meisten Fällen sehr schnell möglich. Dass jede künstlerische Arbeit ihre Grenze bei den Ressourcen hat, ist auch den Künstlern klar. Sind die Voraussetzungen für die Arbeit richtig gesetzt, sind auch alle künstlerischen Konflikte viel leichter zu moderieren. Denn in der Kunst ist die Autorität schwach und der Dialog stark.



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