» STATEMENTS » Nicolle Müller
  Startseite labern/verkünden: Die christliche Blogosphäre
  ÜBERSICHT | EDITORIAL | TITELSTORY | INTERVIEW | STATEMENTS | ÜBER DIE AUTOREN
Diese Seite empfehlen Als Druckversion öffnen Als PDF herunterladen
  ZURÜCKBLÄTTERN WEITERBLÄTTERN
     
 
 

Nicolle Müller ist eine der bekanntesten Tiertrainerinnen Deutschlands. Seit über 15 Jahren trainiert sie Tiere für Einsätze in Film und Fern­sehen. Ihre Sendung „3 Engel für Tiere“ lief vier Staffeln lang auf Vox. Die gebürtige Berlinerin absolvierte zunächst eine Ausbildung zur Hotel­fachfrau, bevor sie ihr Hobby zum Beruf machte und sich von anderen Tiertrainern ausbilden ließ und gleichzeitig Verhaltenstherapie studierte. Ihr Wissen setzt sie nicht nur beim Einsatz von Tieren in Film und Fernsehen ein, sondern auch um Tierbesitzern bei Problemen mit ihrem Liebling zu helfen. .

 
   
 

 

 

 

„Frau Müller, Sie sind bekannt aus Sendungen wie „hundkatzemaus“ auf Vox, in denen Sie Tiere führen
und trainieren. Wie könnte man Ihr Wissen in puncto Tierführung auf die menschliche Kommuni­kation übertragen? Was können Tiere im Bereich Führen und Führenlassen besser als Menschen und andersrum?“

Aus meiner Sicht unterscheiden sich das Training von Tieren und Kindern im Grunde nicht wesentlich. Bis zu dem kritischen Punkt, wo
Kinder alt genug sind, um Dir zu widersprechen, funktioniert die För-
derung und Forderung bei beiden „Zielgruppen“ vor allem nonverbal,
also ohne Sprache, fast ausschließlich mithilfe von Gestik und Mimik.
Mit Körpersprache.

Ab dem Moment, wo dann Sprache ins Spiel kommt, wird es deutlich schwerer, dem Gegenüber eine Lernrichtung vorzugeben, wenn der Schüler diese nicht mitgehen möchte. Verzichtet man vollkommen auf körperliche Sanktion – und das ist der Weg, den man sowohl als Tiertrainer wie auch als Lehrer von Menschen gehen sollte – kann und wird es schwer werden, allein auf Basis von Argumenten ein Umdenken im Kopf des Schülers zu erzielen. Je älter der Schüler – und später dann Arbeitnehmer – wird, desto schwerer gelingt es, ihn von einem einmal eingeschlagenen Gedankenpfad wieder abzubringen.

Worte sind toll. Ich bin sehr froh, dass ich sie habe und zum Schreiben dieses Textes verwenden kann. Aber wenn zwei unverrückbare Meinungen zwischen zwei Individuen oder Gruppen bestehen, dann ist es fast un­möglich, die Waage zur Zufriedenheit beider Parteien in die eine oder andere Richtung zu bekommen, wenn man sich ausschließlich auf seine Rhetorik und Argumente verlässt.

Da schließt sich dann der Kreis, und wir kehren zurück zum Tier. Zu dem Tier, das letztlich in uns allen schlummert. Meiner Meinung nach kann nur derjenige führen, der in der Lage ist, Mimik und Gestik seines Gegenübers richtig zu lesen, sie zu interpretieren. Der exakt die richtigen Gegenimpulse setzt, um zu erreichen, was er will.

Ganze Fernsehserien („Lie to me“, „Elementary“ und natürlich alles von Cesar Milan, dem Hundeflüsterer) leben von der Faszination, die von dieser Fähigkeit ausgeht, Menschen – und Tiere - durch Mikrogestik und passende, körperliche Reaktion zu beeinflussen und zu lenken.

Seminare, Workshops und ganze Lehrgänge beinhalten Theorie und Praxis für angehende Führungskräfte, wie das menschliche Umfeld in Beruf, Frei­zeit und vor allem in einer Konkurrenzsituation allein durch die Körper­sprache beeinflusst werden kann.

In jedem Verkaufsberuf wird der Körpersprache ein besonders großer Stellenwert eingeräumt. Denn nur wer die richtigen Signale sendet, bekommt auch, was er haben will – den Vertragsabschluss, den Kauf oder schlicht die Zustimmung des Gegenübers.

Eigentlich wollen wir doch alle tief in uns selbst von Dritten gelenkt werden. Wir schauen gerne herunter auf die Ameise und die Biene, die sich von einer Königin fernsteuern lässt und scheinbar keinen eigenen Willen hat. Wir bemitleiden Schafe, Rehe, Lemminge und andere Tierarten, die einem einzelnen Tier folgen oder auf die Hilflosigkeit dieses Führers direkt mit Panik reagieren.

Dabei haben die meisten Säugetierarten auf unserem Planeten einen An­führer, ein Leittier. Auch die Wölfe und die Löwen. Sogar die Elefanten und die Wale. Natürlich auch die Affen. Und – ja – auch wir Menschen lassen uns doch immer schon freiwillig anführen: Von Monarchen, Kanzlern und letztlich auch vom Papst.

Letztlich sind wir tief in uns drin sehr zufrieden damit, wenn wir nur so viel Verantwortung tragen müssen, wie wir mental auch tragen können. Auch wenn wir das nie so zugeben würden. Darum diskutieren wir ja über alles und jeden. Was übrigens auch die Tiere tun. Sie kämpfen permanent um den Aufstieg in der Rangfolge. Oder um das Weibchen. Spätestens beim Geschlechterkampf zeigt sich dann doch sehr deutlich, wie sehr sich Mensch und Tier wirklich unterscheiden. Und warum es so wichtig ist, darauf zu achten, wie man die eigene Gestik und Mimik im Alltag und im Berufsleben einsetzt.

Wer führen will, muss das körperlich auch ausdrücken. Sonst wird er von anderen geführt. Da kann er noch so tolle Reden schwingen. Es wird ihm nichts nutzen. Er wird folgen! Und dann mit seiner Position in der Kette leben müssen. Ein Tier kann das ganz gut. Menschen tun sich da leider deutlich schwerer. Vielleicht ist dieses „Kämpfen oder Akzeptieren“ das größte Geschenk, das uns Tiere machen können, wenn es um das Thema führen und geführt werden geht.



nach oben

     
  ZURÜCKBLÄTTERN WEITERBLÄTTERN
  ÜBERSICHT | EDITORIAL | TITELSTORY | INTERVIEW | STATEMENTS | ÜBER DIE AUTOREN
Diese Seite empfehlen Als Druckversion öffnen Als PDF herunterladen