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Text: Christoph Neuhaus  

Christoph Neuhaus, Jahrgang 1947, „römisch-katholisch getauft und erzogen“, Wirtschaftspädagoge, Oberstudiendirektor a. D., gut 30 Jahre politische Arbeit u. a. als Fraktionsvorsitzender, ehrenamtliche Pressearbeit für unterschiedliche Institutionen, Mitglied des ZGM-Leserbeirats.

 
   
 

 

 

 

„Bemerkungen zur Berichterstattung über die christlichen Kirchen in der Tagespresse“

In meiner Heimat im westlichen Münsterland gibt es viel zu lesen über die christlichen Kirchen und ihre Verbände. Es vergeht kaum ein Tag ohne einen Bericht über das kirchliche Leben auf den Lokalseiten der „Westfälischen Nachrichten“ (WN). Die Zeitung hat hier als täglich erscheinendes Printmedium eine Monopolstellung und erreicht über 50 % der relevanten Leserschaft.

In der abgelaufenen Woche wurde zum Beispiel über die Reise einer kirchlichen Gruppe nach Tansania, über die Historie der Wallfahrt „Heiligendracht“ in Hohenholte, über Bauprobleme an St. Dionysius in Havixbeck, über Arbeiten am Glockenturm von St. Mariä Himmelfahrt in Appelhülsen, über eine Kräuterweihe in Senden, über einen Feldgottesdienst am Kloster St. Klara in Senden, über die Flüchtlingsarbeit der evangelischen Kirchengemeinde in Nottuln und über personelle Veränderungen bei den Pastoralreferenten zweier Pfarreien berichtet. Es vergeht kaum eine Woche in der nicht ein Pastor aus einen mehr oder weniger wichtigem Anlass auf einem Pressefoto im Vordergrund steht. Kirchliche Veranstaltungen werden regelmäßig im redaktionellen Bereich angekündigt.

Große Ereignisse im Kirchenjahr finden in der Zeitung immer eine Resonanz. Über die Oster- und Weihnachtsgottesdienste wird mit Bezug auf besondere liturgische Elemente und auch die Predigten informiert. Konfirmanden und Kommunionkinder aller Gemeinden werden regelmäßig mit Bild vorgestellt. Als St. Dionysius in Havixbeck im Frühjahr eine umfassende Kirchen-renovierung vorbereitete, wurde die von Kirchenbänken geräumte Pfarrkirche für das mehr-monatige Kirchen- und Glaubensprojekt „Heute ist Freitag“ genutzt. Die Lokalzeitung be-gleitete das sehr erfolgreiche Vorhaben mit zahlreichen Beiträgen, in denen auch theologische Aspekte aufgegriffen wurden. Im St. Ludgerus-Dom in Billerbeck wurden kürzlich die drei berühmten Predigten des Kardinals Graf von Galen zur Verteidigung der Menschenrechte aus dem Jahr 1941 von prominenten Kirchenleuten noch einmal verlesen. Die Lokalzeitung führte in die Veranstaltung ein, kündigte die drei Termine besonders an und berichtete über jeden Abend.

Im ländlichen Bereich des Münsterlandes ist diese mediale Präsenz der Kirchen in der Lokalpresse nicht ungewöhnlich. Ich höre dies auch aus anderen vergleichbaren Regionen. Die Kirchengemeinden einschließlich ihrer Organisationen (z. B. Kolpingfamilie, Landjugend und Bildungswerke) werden von den örtlichen Redaktionen als wichtige Akteure des kommunalen Lebens wahrgenommen und ihre Aktivitäten sind deshalb auch Gegenstand der lokalen Berichterstattung. Zwischen den verantwortlichen Personen der Kirchen und den Redaktionen besteht häufig ein reger Informationsaustausch. Texte aus der Feder von Redaktionsmit-gliedern und den Pressebeauftragten der kirchlichen Institutionen finden sich im „Blatt“ nebeneinander wieder. Eine Kurzbefragung führte zu dem Befund, dass die thematische Präsenz der Kirchenarbeit in der Zeitung auch bei kirchenfernen Lesern eine beachtliche Akzeptanz findet.

Anders ist die Situation in der Stadt Münster und insgesamt in den Ballungsgebieten. Hier erfordert die Vielzahl der Pfarreien und kirchlichen Institutionen eine deutliche Selektion in der Berichterstattung. „Kirche kommt dort grundsätzlich anders und eher weniger vor“, kommentiert dies ein verantwortlicher Redakteur. Das ist bei der Fülle der täglichen Lokalnachrichten gut nachvollziehbar. Und in der „Konkurrenz“ der für die Leserschaft interessanten Themen ist der kirchliche Sektor grundsätzlich nicht prioritär. Eine Ein-schränkung muss dabei in Münster für das Bistum und den Bischof gemacht werden. Sie haben in Münster noch eine „prominente“ Stellung. Das ist aus vergleichbaren „Bischofsstädten“ aber auch zu hören.

Gut informiert über kirchliches Leben in Deutschland und der Welt werden die Leserinnen und Leser der WN auf den Kulturseiten der Zeitung. Die Weltjugendtage in Krakau und der Katholikentag in Leipzig sind in Bezug auf Großereignisse ein aktueller Beleg dafür. „Rom“ hat der verantwortliche Redakteur stets gut informiert im Blick. Natürlich weiß er immer, was am Domplatz in Münster „so vor sich geht“, manchmal eher und besser als es der bischöflichen Pressestelle lieb ist. Am Samstag ist in der Zeitung auch Platz für die Rubrik „An(ge)dacht“, in der Geistliche mit einem 100-Zeilen-Zweispalter Impulse setzen, die manche Sonntagspredigt bestens ersetzen können. Die christliche Wertorientierung ist bei den „Westfälischen Nachrichten“ auch Teil der Philosophie der Herausgeber und der Redaktion. Gerade in ländlichen Regionen finden sich sicherlich auch anderenorts vergleichbare Pressehäuser. Der gute Befund zur Berichterstattung über die Arbeit der Kirchen kann insofern auch auf andere Regionen in Deutschland übertragen werden. Freilich fehlen mir dazu die empirischen Belege.

Bei der Kommentierung der Berichterstattung über kirchliche Themen in den überregionalen Tageszeitungen kann ich lediglich als regelmäßiger Leser der „Frankfurter Allgemeinen“ und der „Süddeutschen Zeitung“ berichten. Klassische Kirchennachrichten sind dort kaum zu finden. Die zum Teil „filigrane“ Berichterstattung auch über mittelständische Unternehmungen findet in Bezug auf den „Großtrieb“ Kirche nicht statt. Da ist sogar der Sport wichtiger. Möglicherweise ist das auch der Leserschaft geschuldet. Personale Nachrichten aus dem kirchlichen „Oberhäusern“ bis hin zum Vatikan werden jedoch regelmäßig aufgegriffen. Bisweilen finden die Leserinnen und Leser interessante Beiträge mit religiösem oder theologischen Bezug im Feuilleton der Zeitungen. Bei den Themen „Missbrauch“ und „Limburg“ waren beide Zeitungen ganz wichtige Informationsquellen. Das kann jedoch zum Beispiel zur Berichterstattung zum Katholikentag in Leipzig nicht gesagt werden. Die manchmal sehr „meinungslastige“ Berichterstattung vor allem in der FAZ bot der Leserschaft bis zum abschließenden Kommentar des verantwortlichen Redakteurs eher ein Zerr-, denn ein Abbild des katholischen Großereignisses an. Es ist nicht nur meine Wahrnehmung, dass die Alltagsarbeit der Kirchen in der überregionalen Tagespresse allenfalls exemplarisch vorkommt.

Grundsätzlich bleibt abschließend zu bemerken, dass Tageszeitungen keine „Verkündungs-organe“ der Kirchen sind. Eine kirchliche Medienpolitik mit dieser Zielsetzung geht an der Realität und auch den Bedarfen der Leserschaft vorbei. Die Blätter haben andere und wichtigere Funktionen in unserer Gesellschaft.

Kirchlicher Medienarbeit vor diesem Hintergrund „Analphabetismus“ vorzuwerfen ist originell, taugt aber nicht als akzeptables Testat. Hier wird vermutlich die Presse- und Informationsarbeit kirchlicher Institutionen mit Lobbying verwechselt. Eine differenzierte Analyse der Zeitungslandschaft führt zu unterschiedlichen Ergebnissen über die Berichterstattung zur Arbeit der Kirchen. Es gibt „mediale Reviere“ in denen die Berichterstattung breiten Platz findet und auch einen lokalen Informationsbedarf befriedigt. In anderen „Revieren“ ist aufgrund der Ereignis- und Bedeutungskonkurrenz kein Platz für umfangreiche Kirchen-nachrichten und vor allem religiöse Themen. Dieses mediale Vakuum müssen die Kirchen professionell mit eigenen Produkten füllen. Als Mitglied der katholischen Kirche im Bistum Münster wünsche ich mir das. Ich denke dabei nicht an den entgeltlichen Bezug der recht ordentlichen Bistumszeitung „Kirche + Leben“. Ein gut gemachtes monatliches Mitglieder-magazin könnte mein „katholisch sein“ erleichtern und auch der Sinnstiftung dienen.

 

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